Erkenntnis

„Wollt ihr einen gesunden Menschen, wollt ihr, dass er gelassen, sicher und fest auf seinen Beinen stehe? Hüllt ihn in Finsternis, Trägheit und Dumpfheit.“

(Montaigne)

Erkenntnis, Erkenntnis. Scheisserkenntnis. Das Leben wird nicht einfacher, wenn man weiss, ich meine wirklich weiss, wie man ist (und wie eben nicht), und also wirklich weiss, wie man sein wird (und wie eben nie), Mama. Die sogenannt sichere Seite – da werde ich nie stehen, das ist so sicher wie die Sicherheit – und das todsichere Geschäft mit ihr – mit Sicherheit einmal das Ende der Freiheit besiegeln wird. Beschlossene Sache. Und immer bin und werde ich so viel mehr sein als ihr – und so viel weniger, und so war es schon immer. Also wartet auf nichts und schon gar nicht darauf, dass ich einmal so werde wie ich nicht bin. Und versucht bitte nicht, mich zu verstehen, weil: Verständnis ist ok, Verstehen geht anders. Soviel weiss ich, im Gegensatz zu früher, heute immerhin, und auch dass ich einsam bin. Aber sonst? Nicht viel passiert: Ich bin, wer ich war, das Wesentliche bleibt unberührt; ein Leben lang. Nur das Nichts, meine traumverhangene Projektionsfläche, ist nicht mehr ein noch (wie und mit was auch immer) zu füllender, scheinbar grenzenloser Himmel an denkbaren Möglichkeiten, es ist ein volles, mit denkbar allem und annähernd jeder Undenk- und Unsagbarkeit geschnürtes, sogenanntes Lebenspäckchen, das man mit sich herumträgt und immer erst wieder leer zu machen hat, bevor man da, wo eigentlich keine Neuanfänge mehr möglich sind, wieder beginnen kann. Mit nichts, das ja alles ist. Aber weil es im geistigen Leben immer nur Neuanfänge geben soll, bin ich, sagen wir für eine wirklich originelle Idee oder einen interessanten Gedanken, jederzeit bereit, und auch in der – ich sage – letztlich komfortablen Lage, ja, alles stehen und liegenzulassen und einfach davonzufliegen. Und das ist dann immer mal wieder ein scheissprima Gefühl, ihr Säcke, das mich über jeden von euch tonnenschweren Scheisssicherheitsfanatikern um Welten erhebt. Selbst wenn mein Trost bloss aus Trostlosigkeit besteht. Trauer ist mir eine Denkweise: Erlöstes Denken im Bewusstsein von Unlösbarem.

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