FC Thun – FC Vaduz

Montag 19. August 09, Stadion Lachen

kassethun_smallAn einem der heißesten Tage des Jahres war hier – in dieser ganz in freundlicher Gemütlichkeit badenden Idylle – alles Sommer, und deutete nichts auf ein bevorstehendes Schlagerspiel zwischen hiesigem FC und den eben aus der Beletage abgestiegenen Liechtensteinern hin. Nicht mal der nach dem Weg zum Stadion gefragte Polizist weiß Bescheid. Vorbei an einem Märchenschloss, Liegewiesen, halbnackten Schönheiten, einem kleinen Yachthafen und dem mondänen Strandbad, wähne ich mich langsam aber sicher im Vorhof zum Paradies, und verstehe, warum sich offenbar niemand für zweite Schweizer Liga zu interessieren scheint: es ist schlicht zu schön hier. Und genau so sehen das dann auch die Zweiundzwanzig auf dem herrlich unter Eiger, Mönch und Jungfrau gelegenen sattgrünen Platz der Wahrheit, die den schließlich doch 2’500 erschienenen, erst hoffnungsfrohen, später leise aufmurrenden Matchbesuchern ein gigantisches Fehlpassfestival allererster Güte bieten. Chancen sind nicht bloß Mangelware, nein sie kommen gar nicht erst vor, weil kein Pass, geschweige denn ein finaler ankommt. Mittelfeldgeplänkel, Flanken ins Niemandsland, ein paar dumme Fouls, ein falscher Einwurf. Zeit, die einfach so runtertickt, Fußball als Narkotikum. Woanders würden jetzt die ersten Fanschals brennen oder Steine fliegen, hier lässt man einen von allen Seiten mit Wohlwollen goutierten, herzhaften Fluch in die Atmosphäre: „Heilandsackzement!“, und holt sich, so ins Leben zurückgeholt, noch eine von den guten Würsten – und gut ist. Umso guter, als Oscar Scarione Sekunden vor der Halbzeit ein von Torhüter Jehle erst mirakulös abgewehrter Distanzschuss auf den Kopf fällt und von da den Weg ins Gehäuse findet: Eins null Thun.

Nach der Pause zeigen sich die von Murat Yakin trainierten Berner Oberländer leicht verbessert. Wenigstens kommt jetzt mal ein Zuspiel an, auch wenn es dann, ein paar Meter vor dem Tor, zuverlässigst verstolpert wird. Aber was kommt von Vaduz? Draußen an der Linie steht Weltmeister Littbarski und stirbt einen Tod nach dem anderen ob der Darbietung seiner zu weiten Teilen aus drittklassigen deutschen Söldnern bestückten Elf, die offensiv nicht in der Lage zu sein scheint, auch nur einen Hauch von Gefahr zu verströmen. Und Thun schafft es seinerseits nicht, das gebührend zu bestrafen. Und so kommt es am Ende, in der letzten Minute der Nachspielzeit, so wie es in solchen Fällen oft kommt: Erste, letzte Chance Vaduz, Freistoss, Kopfball, eine Hand am Ball bevor dieser die Linie überquert: Elfmeter, Tor, Abpfiff.

Und die Thuner Fans? Rasten aus? Rennen aufs Feld und verprügeln ihre Lieblinge? Schieben Frust? Nein, sie feiern, als hätten sie gerade gegen Arsenal in der Champions League gespielt und nur knapp, wirklich nur ganz knapp nicht gewonnen. Ist ja auch nur ein Fussballspiel. An einem schönen Sommertag. An einem der lauschigsten Plätze der Welt.

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